Harley-Davidson Road King Gebrauchtberatung: Zuverlässig und extrem wertbeständig (2024)

Der Listenpreis lautet exakt 31.450 Mark. So viel verlangt Harley-Davidson 1994 für die jüngste Alte im Programm. Aber wer bezahlt schon den Listenpreis, es darf gern etwas mehr sein. Sie haben richtig gelesen: mehr! Und wir reden hier nicht vom kubanischen oder nordkoreanischen Markt.

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Harley-Davidson Road King Gebrauchtberatung

Zuverlässig und extrem wertbeständig

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Die neue Harley-Davidson Road King ist 1994 innerhalb kürzester Zeit weltweit ausverkauft, und im MOTORRAD-Kleinanzeigenteil werden für einen Straßen-König-Vertrag durchaus 38.000 Mark verlangt – und auch gezahlt. Was etwas wunderlich anmutet, handelt es sich bei der FLHR doch nicht um etwas revolutionär Neues, sondern eigentlich nur um eine abgespeckte Electra Glide, die statt ausladender Batwing-Verkleidung ein mit wenigen Handgriffen zu demontierendes Windschild trägt und aufs Topcase verzichtet. Damit sieht sie wie das Ur-Modell der E-Glide von 1965 aus, leistet dafür aber auch nur 60 statt 66 PS. Ein Anachronismus auf zwei Rädern.

Unter-Listenpreis-Verramschen? Niemals!

Aber ein sehr erfolgreicher, wie sich in den Folgejahren zeigen wird. Der Über-Listenpreis-Wahnsinn hat zwar irgendwann ein Ende, doch ein Unter-Listenpreis-Verramschen gibt es für die Road King niemals. Ab Modelljahr 1998 bekommt der Ur-König mit der Harley-Davidson Road King Classic einen noch mehr auf Retro getrimmten Regenten zur Seite gestellt, der in der Folge die Amtsgeschäfte weitgehend übernimmt. Der Versuch, das Königsduo ab 2004 zum Dreigestirn zu machen, schlägt allerdings fehl: Die Road King Custom erreicht noch nicht mal ansatzweise die Stückzahlen ihrer Co-Könige und fliegt Mitte 2007 aus dem Hofstaat. Bei aller Old-Style-Verpackung war und ist die Road King immer ein durchaus modernes, absolut zuverlässiges und extrem wertbeständiges Motorrad. Es lebe die Monarchie!

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Besichtigung

Von 2008 bis 2013 führte eine Harley-Davidson Road King des Modelljahrs 2007 die MOTORRAD-Dauertest-Bestenliste an: 50.000 problemlose Kilometer im harten Redaktionsalltag – noch Fragen zur grundsätzlichen Zuverlässigkeit? Eine undichte Tankanzeige, quietschende Bremsen und einen Vibrationsriss am Auspuffkrümmer, mehr gab’s nicht zu beanstanden. Und auch diese Macken dürften im Rahmen der Modellpflege seit 2008/2009 Geschichte sein.

Stichwort Geschichte: Die sollte den Road King-Gebrauchtkäufer besonders interessieren, denn bei Bikes, die ihr erstes Leben in den USA verbracht haben, handelt es sich oft um Miet- und/oder Unfallmaschinen. Eine fehlende Windschutzscheibe oder ein anderer Vorderradfender sind erste Hinweise. Am besten die Fahrgestellnummer vom Vertragshändler checken lassen, bei Harleys ist alles dokumentiert. Auch wichtig: die Reifenkontrolle. Oft sind noch die ewig haltenden, aber nicht sehr haftfreudigen Erstgummis auf einer Harley-Davidson Road King montiert.

Marktsituation

Hinter der Street Glide rangiert die Harley-Davidson Road King, besonders als Classic-Modell, auf Platz zwei der Harley-Tourer-Gebrauchtkaufhitparade. Sie ist also sehr beliebt und damit im Vergleich mit anderen Harley-Big-Twins auch im fortgeschrittenen Alter noch richtig teuer. Bastelbuden mit obskurer USA- oder auch Polen-Vergangenheit gibt’s vereinzelt schon für unter 9000 Euro, halbwegs seriöse Angebote sind aber kaum unter zehn Mille zu bekommen. Dafür wechseln dann Maschinen mit Evo-Motor oder frühem TC88 den Besitzer.

Im preislichen Mittelfeld sind die Modelljahre 2004 bis 2006 angesiedelt. Aus erster Hand und mit überschaubarer Kilometerleistung sind dafür 13.000 bis 14.000 Euro zu zahlen. Egal ob es sich um die Harley-Davidson Road King Standard, Classic oder gar die recht seltene Custom handelt. Den gro­ßen Preissprung gibt es dann zum 2009er-Modelljahr, denn für ABS, neuen Rahmen und 180er-Hinterradreifen werden rund 3000 Euro mehr gezahlt. Ab 2009 ist das Modelljahr dann wieder relativ egal, denn Pflegezustand und Kilometerleis­tung sowie Zahl der Vorbesitzer zählen mehr als das Datum der Erstzulassung.

Preisniveau in Euro
Baujahr km-Stand
Niedrig 9500-11 900 1994-2002 25 000-90 000
Mittel 12 000-14 900 2000-2008 15 000-50 000
Hoch 15 000-19 900 2007-2012 5000-25 000
Typ im Programm
Verkäufe
Road King 1994-2009 ca. 2300
Road King Classic 1998-heute ca. 6700
Road King Custom 2004-2007 ca. 200

Technische Daten

Motor: Luftgekühlter Zweizylinder-Viertakt-45-Grad-V-Motor, zwei untenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, zwei Ventile pro Zylinder, Hydrostößel, Stoßstangen, Kipphebel, Trockensumpfschmierung, Einspritzung, ungeregelter Katalysator, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, Zahnriemen.

Bohrung x Hub: 95,3 x 111,1 mm
Hubraum: 1584 cm³
Nennleistung: 60 kW (82 PS) bei 5200/min
Max. Drehmoment: 129 Nm bei 3500/min

Fahrwerk: Doppelschleifenrahmen aus Stahlrohr, ­Telegabel, Zweiarmschwinge aus Stahlprofilen, zwei luftunterstützte Federbeine, verstellbare Federbasis, Doppelscheibenbremse vorn, Scheibenbremse hinten.

Drahtspeichenräder: 3.00 x 16; 3.00 x 16
Reifen: MT 90 B 16, MU 85 B 16

MAßE + Gewichte: Radstand 1610 mm, Lenkkopfwinkel 64 Grad, Nachlauf 158 mm, Federweg v/h 117/76 mm, Sitzhöhe** 683 mm, Gewicht vollgetankt* 355 kg, Tankinhalt** 22,7 Liter.

Messungen: (MOTORRAD 4/2008 + 23/2008)
Höchstgeschwindigkeit**: 165 km/h
Beschleunigung 0–100 km/h: 5,5 sek
Durchzug
60–140 km/h: 17,7 sek
Verbrauch: 6,5 l/100 km
(im 50.000-Kilometer-Dauertest)

*MOTORRAD-Messungen, **Herstellerangaben

Modellpflege

1994: Markteinführung FLHR Road King, 80-cui-Evolution-Motor mit Vergaser.

1995: Überarbeitet bzw. neu: Koffer, Bremsleitungen, Zündbox, Luftfilter, Motor-Stopp-Sensor.

1996/1997: Wahlweise mit elektronischer Kraftstoffeinspritzung (FLHRI); Rahmen neu gestaltet; bequemerer Sitz; Elektrik verbessert; neue Gabel-Innereien. 1998: Markteinführung FLHRCI Road King Classic; neue Kupplung.

1999: Twin Cam 88-Motor; Road King mit besser ablesbaren Kontrolllampen; komfortablerer Lenker.

2000: Überarbeitet bzw. neu: Bremsen; Radlager; wartungsfreie Batterie; Zahnriemen; Kupplungszug neu verlegt. Erstinspektion erst nach 1600 statt 800 Kilometern. Road King: Lenker, Vorderradachse und Gussräder neu. Road King Classic: Benzinpumpe und Dämpferelemente für Koffer neu.

2001: Überarbeitet bzw. neu: Wegfahrsperre; Blinkerrückstellung, Primärkettenspanner; diverse Getriebeänderungen; Road King: Tankanzeige, Reifen.

2002: Überarbeitet bzw. neu: Sirene als zusätzlicher Diebstahlschutz; Bullet-Blinker; Rahmen, Schwinge und Federelemente; Lichtmaschine. Road King Classic: neue Einspritzanlage.

2003: „Anniversary Styling“ für alle Modelle.

2004: Markteinführung FLHRSI Road King Custom. Alle Touring-Modelle: breiterer Hinterradreifen; leichtgängigere Kupplung, Serviceintervalle verlängert. Road King: nur noch Einspritzung.

2005: Überarbeitet bzw. neu: Klarglas-Scheinwerfer; Bremsbeläge; Motorsteuergerät; Verchromung. Road King Classic: neue Drahtspeichenräder.

2006: Überarbeitet bzw. neu: Einspritzung; Zylinderköpfe; Ölpumpe; Kupplung; Lichtmaschine; Bremslichtschalter. Road King/Classic: neue Zusatzscheinwerfer.

2007: Twin Cam 96-Motor, Rahmen, Schwinge, Seitenständer, Schalthebel und Trittbretter entsprechend modifiziert. Überarbeitet bzw. neu: Kupplung; Zahnriemen (schmaler und reißfester); Kofferhalterungen; Kontrolllampen. Smart Security System (Diebstahlschutz) sowie Zeituhr und 6.-Gang-Kontrolllampe serienmäßig.

2008: Road King Custom nicht mehr im Programm. Leistung von 78 auf 82 PS erhöht. ABS optional. Überarbeitet bzw. neu: Radlager und Achsen; Tank (22,7 statt 18,9 Liter), Drive-by-Wire-Gasgriff; Sitz; Tempomat serienmäßig; Batterie; Seitenständerschalter.

2009: ABS serienmäßig; Rahmen, Schwinge und Federelemente neu; breitere Reifen; neue Auspuffführung. Road King: 17-Zoll-Vorderrad.

2010: Road King nicht mehr im D-Programm; Getriebe, Bremse und Auspuff überarbeitet.

2011: Twin Cam 103-Motor, Road King Classic optional auch mit TC 96. Neue Sitzbänke.

2012: Wartungsintervalle verlängert; Road King Classic mit schlauchlosen Reifen.

Test in MOTORRAD

9/1994 (T), 5/1997 (FB), 22/1997 (VT), 8/1999 (VT), 18/2004 (VT), 13/2006 (VT), 25/2006 (VT), 21/2007 (FB), 23/2007 (VT), 4/2008 (VT), 8/2008 (DT), 22/2008 (FB), 23/2008 (DT);
FB = Fahrbericht, T = Test, VT = Vergleichstest, DT = Dauertest; Nachbestellungen unter Tel. 07 11/32 06 88 99, www.motorradonline.de/downloads

Internet

Fansite: www.mhdt.de/harley/forum/

Gebrauchtangebote: https://www.1000ps.de/gebrauchte-motorraeder

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Harley-Davidson Road King Gebrauchtberatung: Zuverlässig und extrem wertbeständig (2024)

FAQs

Harley-Davidson Road King Gebrauchtberatung: Zuverlässig und extrem wertbeständig? ›

Zuverlässig und extrem wertbeständig. Seit 20 Jahren beweist die Harley-Davidson Road King, dass ein auf alt getrimmtes Motorrad keine kurzfristige Modeerscheinung, sondern ein Dauerbrenner sein kann. Der Listenpreis lautet exakt 31.450 Mark.

Welche Harley-Davidson eignet sich als Wertanlage? ›

Wenn es um eine Geldanlage im Zweirad-Bereich geht, ist Harley Davidson die erste Wahl. Die meisten Modelle haben als Gebrauchtmaschinen einen Wert von 70 Prozent bis 80 Prozent des Neupreises. Die Sportster 1200 Fourty-Eight ist nicht nur das erfolgreichste Modell der amerikanischen Motorrad-Schmiede.

Welche ist die zuverlässigste Harley-Davidson? ›

Noch einen Grund mehr, sich für Dyna Fat Bob oder Sportster Forty-Eight zu entscheiden - so günstig lässt sich keine Harley fahren.

Was ist die Wertstabilste Harley-Davidson? ›

Die wertstabilsten Motorräder stammen von Harley-Davidson. Im Restwert-Ranking des Informationsdienstleisters Schwacke belegen die US-Bikes gleich die ersten 18 Plätze. Spitzenreiter ist die Street Glide mit einem Restwert von 87,6 Prozent nach zwei Jahren.

Welche Harley verliert kein Wert? ›

Mit einem Restwert von 87,6 Prozent nach zwei Jahren ist die Street Glide als Spitzenreiter das wertstabilste Motorrad in Deutschland. Auf den Plätzen 2 und 3 folgen die Forty-Eight mit 87,3 und die Dyna Street Bob mit 87,1 Prozent.

Welche Harley-Davidson ist in Deutschland am gefragtesten? ›

Die beiden Ausreißer stammen aus den USA: Restwert-König unter Deutschlands zulassungsstärksten Motorrädern ist die Dyna Fat Bob. Sie erzielt nach drei Jahren noch einen Restwert von stattlichen 75,2 Prozent. Auf Platz Zwei des Rankings behauptet sich mit einem Restwert von 74,6 Prozent die Forty-Eight.

Welche Motorräder werden Klassiker? ›

Die beliebtesten Classic Motorräder sind die Harley-Davidson Sportster, die Triumph Bonneville, die Honda CB750, die BMW R75, die Norton Commando, die Ducati 900SS, die Kawasaki Z1, die Moto Guzzi V7, die Yamaha XS650 und die BSA Gold Star.

Wie lange hält ein Zahnriemen bei Harley-Davidson? ›

Harley geht von einer durchschnittlichen Haltbarkeit von 80 k aus.

Was ist die meistverkaufte Harley? ›

Platz 1: Harley-Davidson XL 1200 X - 9.851 Neuzulassungen.

Wie viel kostet eine gute Harley? ›

Eine neue Harley-Davidson kaufen können Sie bereits ab etwa 15.000 Euro. Neue Limited Modelle kosten auch schnell einmal mehr als 30.000 Euro. Wenn Sie lieber eine gebrauchte Harley-Davidson kaufen möchten, so können Sie sich an Preisen ab etwa 10.000 Euro für recht alte Maschinen orientieren.

Wie viel Wert verliert ein Motorrad pro Jahr? ›

Motorräder verlieren in den ersten 3. Jahren in der Regel zwischen 10 und 15 % jährlich an Wert.

Welches Motorrad hat den geringsten Wertverlust? ›

Maschinen beliebter Hersteller sind wertstabiler und haben einen geringeren Wertverlust. Eine bessere Wertstabilität bei einem späteren Motorradverkauf haben bekannte Marken. Dazu zählen die Hersteller BMW, Honda, Harley-Davidson, Kawasaki, Triumph und Ducati.

Wie gut ist die Qualität von Harley-Davidson? ›

Harley-Davidson Motorräder sind sehr wertstabil. Die Wertstabiltiät ist einer der größten Vorteile der Marke. Als Kunde zahlst Du letztlich „nur“ die Differenz zwischen Kauf und Wiederverkauf. Der Wertverlust im Vergleich zu anderen Motorradmarken ist gering.

Was ist der beste Harley Motor? ›

Der Revolution Max 1250T ist der beste Motor, den Harley-Davidson je gebaut hat.

Welche Harley liegt gut in der Kurve? ›

Die Harley-Davidson Fat Bob verbindet Harley-typische Muskeln mit echtem Kurvenkönnen. AUTO BILD stellt die Maschine aus der Softail-Familie vor.

Wie viel PS sollte eine Harley haben? ›

Mächtige Kurven. Beeindruckend sind die Leistungswerte, die Harley für das Kit in Kombination mit einer straßentauglichen Abgasanlage verspricht. Der V2 soll mit dann 2.147 Kubikzentimeter Hubraum 123 PS bei 5.500/min am Hinterrad liefern. Das maximale Drehmoment soll bei umgerechnet 178 Nm bei 4.000 Touren liegen.

Welche Harley für Anfänger? ›

Die kleinste und bisher günstigste Harley-Davidson ist die Street 750 für einen Neupreis knapp unter 8.000 Euro. Eine günstige Einsteiger-Harley ist außerdem die Harley-Davidson Sportster XL 883 L Super Low.

Was kostet eine Harley in der Versicherung? ›

Die Teilkaskoversicherung inklusive 150€ Selbstbeteiligung kostet in unserem Fall im Basispaket 124,24€ und in der Luxusvariante 154,04€ – und zwar jährlich. Vollkasko (500€ Selbstbeteiligung) geht natürlich auch und ist selbst bei einer älteren Harley empfehlenswert, denn mit 236,94€ bzw.

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